Gedanken zur Mundart - Der schlesische Schriftsteller und Heimatdichter Paul Petras

Die Oder bei Grünberg / Schlesien
Dr. Paul Petras
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Gedanken zur Mundart

Dichtung > Mundartliches
Pflege der deutschen Mundarten.
von Paul Petras

Früher glaubten viele Deutsche, die Mundarten seien nichts weiter als verderbtes Hochdeutsch. Ja, es gab Eltern, die ihren Kindern streng verboten, mit Nachbarkindern zu verkehren, die noch nicht hochdeutsch sprechen konnten. Was mich anlangt, so habe ich im Elternhaus früh möglichst richtiges Schriftdeutsch sprechen gelernt. Mein Vater war ja doch Volksschullehrer in Kühnau. Aber selbst ein damaliger Lehrer war nicht ganz der Volksmundart feindlich, lehrte er doch in der Schule auch das gemütvolle Holtaische Gedicht: "Der Zutaberg". Wir lernten auf diese Weise den sagenumwobenen Zobten, den man heute richtiger "Silingberg" nennen will, kennen. Und auch im Nachbardorfe Sawade hat der alte Rothe seine Kinder in der Schule dies Gedicht auswendig lernen lassen.
Erfreulich ist es, dass heut auch die Reichssender die jeweilige Mundart pflegen, der Breslauer die Schlesische, der Kölner die Rheinische und die Westfälische.
Auch die Zeitungen haben in vielen größeren Städten die Mundartpflege sich zur löblichen Aufgabe gemacht, das Grünberger Wochenblatt und das Tageblatt, früher "Intelligenzblatt" genannt, pflegen seit Jahrzehnten die heimische Mundart. Wie freuen wir uns schon anno 1870 vor dem Kriege, als der Grünberger Barde "Bartseidel" sein Gedicht über die damals brennend gewesene Frage: "Wo mag wohl der Grünberger Bahnhof hinkommen?" losließ, das ungefähr so begann:
"Nee, wuas ma vun der Aesenbuahn
Su lasen titt und hieren!.."
Ich hätte es gern einmal wieder gelesen, zumal bei Gelegenheit des Eisenbahnjubiläums. Aber es war trotz allen Suchens in den alten Zeitungsblättern leider nicht mehr zu finden. Möglich, dass es ein alter Grünberger aber doch noch aufbewahrt hat. Und wenn einer dieser Landsleute diese Zeilen liest, wird er gebeten mir's mitzuteilen...
Dieser Tage* feierte in Köln der fast in jedem Kölner Hause gelesene Kölner Stadt-Anzeiger, - eine Sonder-Ausgabe der großen Kölnischen Zeitung mit Nachrichten aus den einzelnen Stadtteilen und Vororten der großen Rheinstadt - sein 60jähriges Bestehen.
Bei dieser Gelegenheit gab er den Lesern eine umfangreiche Jubelnummer ins Haus, die auf einer besonderen Seit die Pflege der Kölschen Mundart, die er die 60 Jahre hindurch betrieben hat, gewidmet war.
Der Niederschlesier wird die darin gebrauchte Mundart-Beiträge schwer lesen können, und das ist recht schade, denn im Grund sind ja doch die Vorfahren der Schlesier sehr von fränkischem Blut, also zum Teil vom Niederrheine gewesen. Was soll z.B. die Überschrift eines Gedichtchens bedeuten, die so lautet:
"Mie Kölle am Rhing"?
Nun, nichts weiter als: Mein Köln am Rhein.
Der Vater Rhein heißt hier eben Rhing! Der Kölner Schlesierverein kennt das längst. Hier ist eben Ring und Rhing ganz etwas anders als in Schlesien, wo der viereckige Hauptmarkt am Rathause der "Ring" ist. Daneben hat Köln eine Anzahl großer Ringe, den Hohenzollernring, den Hohenstaufenring, den Ubierring, den Gotenring usw. Doch das sind breite Straßen, die ringförmig sich um das alte Köln legen und an die Pariser Boulevards erinnern.
* 1936
Heimatlieder

Das Wort Heimat ist, wie Herder gesagt hat, dem Deutschen ein unaussprechlich süßer Name.
Nun, meine liebe Damen und Herren, wenn der große Herder sagt - der deutsche Dichter und Denker, der seine baltische Heimat stets über alles hochgeschätzt hat - dann muss wohl etwas Wahres darin liegen.
Und in der Tat, wem ginge nicht das Herz auf, wenn fern der Heimat nach langer Frist wieder einmal heimatliche Laute an sein Ohr dringen hört! Wenn er wieder einmal heimatliche Lieder anstimmen hört! Die Heimatlieder... die ihm sein Vater vor die Seele zaubern, die Jugendzeit, das Mutterauge, die Gefährten froher daheim verlebter Tage - oder auch trüber, unvergesslicher Zeit!
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