Über Grüneberger Wein und Sekt - Der schlesische Schriftsteller und Heimatdichter Paul Petras

Die Oder bei Grünberg / Schlesien
Dr. Paul Petras
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Über Grüneberger Wein und Sekt

Grünberg
1833 Leipzig – Journal für technische und ökonomische Chemie – Band 17:
Ueber den Mousseux und Oeil de Perdrix* der Herren Häusler, Förster und Grempler zu Grüneberg in Schlesien.
Von dem Geh. Rath und Professor Dr. Hermbstardt.
Foto: freshMAG by Liebherr
Die oben genannten Herren fabriciren und debitiren seit einer Reihe von Jahren, aus dem Moste ihrer Weinberge, einen dem ächten Champagner sehr ähnlichen Wein, den sie mit dem Namen Grüneberger Mousseux und Oeil de Perdrix bezeichnet in den Handel bringen, so dass ein geübter Gourmand dazu gehört, um jene Weine vom ächten Champagner zu unterscheiden, wenn ihn nicht die feinern Sorten des ächten Weins zur Vergleichung zur Seite stehen, und er nicht durch die gedruckte Etiquette, mit welcher die Flaschen bezeichnet sind, die Abstammung des Weins erkennet.

Wenn gleich rücksichtlich der guten Qualität ihres Weins, der ein aus dem Moste der Grüneberger Trauben producirtes vaterländisches Getränk ist, die Verfertiger desselben, solchen ohne alles Bedenken unter dem erborgten Namen Champagner in den Handel bringen und ihn zu höhern Preisen in Geld umsetzen könnten: so gestattet solches doch nicht ihre anerkannte Rechtlichkeit, ihrem Fabrikate einen Namen beizulegen, der ihn nicht mit vollem Rechte zugehört; da hingegen manche andere vielleicht kein Bedenken tragen würden, den innern Theil des Stöpsels der Flaschen, so wie die äusserlich angebrachte Etiquette, mit der Firma irgend eines berühmtesn Handelshauses in der Champagne zu bezeichnen; und nicht leicht würde ein solcher Betrug beim Genuss des Weins wahrzunehmen sein.

Es ist wohl mit Gewissheit anzunehmen, dass von dem Wein, welcher unter dem Namen Champagner aus Frankreich nach Deutschland und in andere Länder versendet wird, nicht der dritte Theil der Champagne entwachsen ist; da hingegen zwei Dritttheile aus andern Provinzen Frankreichs, durch einen ähnlichen Prozess der Fermentation des Mostes, wie solcher beim ächten Champagner-Wein geleitet wird, ein dem ächten Champagner ähnliches Getränk erzeugt zu werden pflegt.

Die Art und Weise wie der Champagner, der ächte Mousseux und Nonmousseux aus den in der Champagne gewachsenen Trauben bereitet wird, ist von dem verstorbenen Königlich-Preussischen General-Major v o n  B o g u s l a v s k y , (einem kenntissreichen Landswirth) während seiner Gefangenschaft in der Champagne, im Jahre 1806 genau studirt und in einem Hefte des Bulletin de la société d'Encouragément vom Jahre 1807 beschrieben. Wie aus jener Beschreibung hervorgeht, kommt alles dabei auf die Auswahl der reifsten Trauben und die eigene Behandlung des Mostes an.

Auch in Deutschland gewachsene Trauben geben, besonders in günstigen Jahren, wenn sie zur vollkommenen Reife gedeihen, einen sehr guten trinkbaren Wein. Warum sollte es also nicht möglich sein, auch aus ihnen ohne künstliche, der Gesundheit nachtheilige Zusätze, einen dem ächten Champagner ähnlichen moussirenden Wein darzustellen, wie in Frankreich? Warum sollte nicht, wenn, wie es in der Champagne geschieht, die Vollendung der Fermentation unterbrochen wird, bevor alle Kohlensäure vollkommen entmischt ist, ein moussirender Wein daraus producirt werden können?

Zwar ist das Verfahren, dessen die Herren H ä u s l e r, F ö r s t e r  und  G r e m p l e r sich bedienen, mir nicht bekannt; dass sie aber den einfachsten naturgemässesten Weg dabei beobachten, ohne künstliche Schmiererei, wie man solche oft in Schriften vorgeschlagen findet, solches kann ich mit Bestimmtheit behaupten.

Der weisse so wie der rothe Mousseux aus jener Anstalt sind beide, was geistreiche und gesunde Beschaffenheit, Lieblichkeit des Geschmackes und Geruches, so wie die moussirende Kraft und die Haltbarkeit betrifft, von ganz vorzüglicher Qualität.

Durch die Destillation im Wasserbade gewinnt man daraus eben so viel Alkohol als aus sehr gutem ächten Champagner-Wein. Ich hab ihn fünf volle Jahre lang aufbewahrt, ohne Verderbniss desselben wahrnehmen zu können. Er war, wie im Anfang, geistreich und ungetrübt, hatte keinen Bodensatz gebildet; rücksichtlich der Geistigkeit, schien er noch bedeutend gewonnen zu haben, nur an moussirender Qualität hatte er etwas verloren, wie solches auch bei dem ächtesten Champagner der Fall ist, wenn er mehrere Jahre aufbewahrt wird. Er geht nach und nach in Nonmousseux über und steht darin dem ächten Champagner nicht nach.

Der wohlfeile Preis, (die Handlung verkauft die gewöhnliche Champagner-Flasche nebst Gefäss zu 3/4 berliner Quart = 44 1/4 pariser oder 50 7/8 rheinländischer Kubikzoll im Detail-Verkauf, die Flasche zu 25 Silbergroschen = 5/6 Thaler preussisch Courant, in grösseren Quantitäten wohlfeiler) begründet seinen reichlichen Debit.

Für die gute Qualität dieses Weines, spricht auch der bedeutende Absatz, welchen derselbe bereits gefunden hat, indem jährlich über 60,000 Bouteillen davon abgesetzt werden, welches nur zur grossen Empfehlung desselben gereichen kann.

Um sich von der Wahrheit desjenigen zu überzeugen, was ich hier über die Qualität des Grüneberger Mousseux erörtert habe, darf man sich nur an die Firma der Handlung zu Grüneberg selbst, oder an eines der verschiedenen Depots derselben wenden und sich Proben kommen lassen, und man wird meine Angabe vollkommen begründet finden.
Nachschrift des Herausgebers
Ich verdanke der Güte des Hrn. Verfassers vorstehender Abhandlung einige Flaschen des Grüneberger Mousseux und habe mich von der sehr guten Qualität desselben überzeugt und auch von einigen guten Weinkennern das Urtheil gehört dass derselbe den moussirenden Rheinweinen nur wenig nachstehe. Vom ächten Champagner unterscheidet er sich durch den Mangel der eigenthümlichen leichten Beschaffenheit des letzteren, er hat zu viel Körper und nicht das liebliche Bouquet welches die guten französischen moussirenden Weine auszeichnet. Das Moussiren des Grüneberger Weines hört weit früher auf als beim ächten Champagner, indem die Kohlensäure sich in grösseren Blasen entwickelt, auch bleibt der Schaum nicht so lange als beim ächten Champagner stehen sondern fällt schnell nieder etwa wie bei den moussirenden Rheinweinen. Hinsichtlich der Stärke steht er dagegen dem Champagner nicht nach. Die Hauptsache aber dürfte sein, dass der Grüneberger Mousseux ein durchaus gesundes Getränk ohne die geringste unangenehme Nachwirkung ist, wesshalb er gewiss alle Empfehlung verdient.

* Oeil de Perdrix = (französisch für «Rebhuhnauge») ist ein lachsfarbener Roséwein, der aus Spätburgundertrauben (franz.: Pinot Noir) gekeltert wird.

Foto: www.marekkondrat.pl
Über den Wein- und Obstbau im Kreise Grünberg...
(aus dem Magazin für die Literatur des Auslands – erschienen im „Grünberger Wochenblatt“ vom 24. März 1867)

...hat der Geh. Regierungs-Rath Jacobi, Departementsrath für gewerbliche u a Angelegenheiten bei der Regierung in Liegnitz in den „Schlesischen Provinzblättern“ einen Aufsatz veröffentlicht, der demnächst als Broschüre auch im Buchhandel erschienen ist*). Der Aufsatz bezweckt, einmal die arbeits- und einsichtsvolle Betriebsamkeit, welche sich in der Wein- und Obstkultur von Grünberg kundgiebt, zur gebührenden Anerkennung zu bringen, und ferner die schätzbaren Erzeugnisse dieser Industrie gegen das Vorurtheil zu wahren, mit dem dieselben sonderbarer Weise noch immer zu kämpfen haben.
 
Die wirthschaftliche Bedeutung dieser nördlichsten aller Weinkulturen wird man aus folgenden statistischen Zahlen anerkennen müssen. Von 61.122 Morgen, welche im Jahre 1864 im preußischen Staate dem Weinbau gewidmet waren, gehörten 5263 dem Kreise Grünberg an. Der Most-Ertrag hiervon stellt sich im Durchschnitt der Jahre 1819 bis 1864 auf ungefähr 20.000 Eimer, und erreichte im Jahre 1846 über 68.600 Eimer. In den Jahren 1855 bis 1864 kamen im Grünberger Weinbezirke beinahe 70.000 Thaler Moststeuer auf. Ein volles Weinjahr, wo der Morgen 10-15 Eimer Most bringt, kann dem Kreise Grünberg eine Einnahme von 6-800.000 Thalern gewähren, und im Durchschnitt ist der Ertrag dieser Weinkultur auf 2-300.000 Thaler zu veranschlagen.
 
Gestehen wir, daß wir Alle, die wir dies lesen, zu diesen Summen beigesteuert haben, auch indem wir uns an den Erzeugnissen der Champagne, des Rheingaues, des Garonne-Thales oder des Ungarlandes zu erfreuen glaubten. Neben der zum Glück im Abnehmen begriffenen Abneigung, den Grünberger Wein unter seinem ehrlichen Namen zu trinken, geht merkwürdigerweise eine steigende Anerkennung der Grünberger Speise-Trauben einher, deren Export in den letzten Jahren 500.000 Pfund erreichte. Immer zahlreicher werden die industriellen Unternehmungen, die sich mit der Verwerthung von Erzeugnissen der dortigen Wein- und Obstgärten befassen. Mit Recht aber legt der Verfasser den größten Werth auf die ethische Bedeutung dieser Kultur. Der Grünberger Weinbauer steht in fortwährendem Kampfe mit einem an sich werthlosen, nur durch rastlose Arbeit tragfähig zu machenden Boden, und mit den Härten des Klimas unter dem 52. Grade u.Br. Der Hausvater und seine Angehörigen widmen dem Weingarten jede Mußestunde und finden in der pflegenden Sorgfalt, welche sie der verheißungsvollen Rebe zuwenden, eine Erholung von den sonstigen Mühen des Tages. Mit der Arbeitsamkeit geht die Freude an dem reinen Naturgenuss Hand in Hand. Die Rebe giebt an Veredelung in reichlichem Maße zurück, was sie von ihren Pflegern empfängt, und gern stimmen wir dem Herrn Verfasser in dem Wunsche bei: Gott segne Grünberg’s Reben!
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*) Das Schlesische Weinland oder der Wein- und Obstbau im Kreise Grünberg und dessen schlesische Nachbarschaft. Von L. Jacobi. Breslau, E. Trwendt, 1866. Zu beziehen durch W. Levysohn Grünberg.
Liegnitzer Ausstellungshalle 1880

Eifriger Zuspruch beim Grünberger Wein und Sekt
(Aus den Tagesberichten des "Grünberger Wochenblattes" zur Ersten Niederschlesischen Gewerbe-Ausstellung in Liegnitz 1880)

GW vom 24. Juni 1880 - "Am Montag hatten gegen 8000 Menschen die Liegnitzer Ausstellung besucht und doch war sie nirgends überfüllt, so umfangreich sind der Platz und die inneren Räume. Als letztere um 7 Uhr abends geschlossen waren, entwickelte sich ein wahrhaft großstädtisches Leben in den Gängen und Restaurationszelten. Ueber die "G r ü n b e r g e r W e i n s t u b e" wird berichtet: Die Restaurateure hatten alle Hände voll zu thun, um den Bedarf an Stoff zu genügen; am lebhaftesten ging es aber dem Vernehmen in der Grünberger Weinstube zu. Der Wein erfreut des Menschen Herz und löst die Zungen, und so begab sich das Wunderbare, dass unter unserm nüchternen norddeutschen Himmel laut gesungen und von vielen Seiten munter eingestimmt wurde. Die Haupt- und Feuerprobe bleibt aber dem nächsten Morgen vorbehalten; denn Kopfschmerz oder nicht Kopfschmerz, das ist hier die Frage. Auch der Grünberger Champagner hat Anerkennung gefunden; am ersten Tag sollen ca. 60 Flaschen getrunken worden sein."

GW vom 26. Juni 1880 - "Grünberg, den 25. Juni. - (Der Grünberger Wein auf der Liegnitzer Ausstellung)  War es noch vor einigen Jahren die 'Weinprobe im deutschen Reichstage,' welche unserem Rebensafte wieder eine ehrenvollere Stelle unter den in- und ausländischen Weinen verschaffte, so dürfte es in diesem Jahre ganz besonders der Liegnitzer Gewerbe-Ausstellung vorbehalten sein, den "Grünberger" auch nach außen hin zum Ansehen zu bringen. Kaum sind 4 Tage seit der Eröffnung der Ausstellung verflossen und schon ist die aus ca. 300 Flaschen bestehende erste Sendung C h a m p a g n e r aus der hiesigen Grempler'schen Champagnerfabrik consumirt; auf telegrafischem Wege wurde obige Handlung heute Vormittag ersucht, der ersten Sendung schleunigst die zweite folgen zu lassen. Auch der von der Firma J o h. S e y d e l & S o h n auf die Ausstellung entsendete Rothwein ist schon vollständig verschenkt. Desgleichen findet der von Herrn L o u i s S e y d e l und Herrn Weinkaufmann M o s c h k e permanent zum Verkauf ausgestellte 59er schnellen und reichlichen Absatz."

GW vom 4. September 1880 - "(Schluss der Niederschlesischen Gewerbe-Ausstellung) Am 1. September, zum Schlusse der Gewerbe-Ausstellung, gab sich ganz Liegnitz noch einmal ein Rendez-vous auf dem Platze zwischen Baumgart-Allee und Mühlgraben. Noch einmal durchschritt Jeder die Räume, in denen so viel des Schönen und Lehrreichen, in der geschmackvollsten Form gruppirt, zu sehen war, noch einmal trat Jeder an die Gegenstände heran, für welche er sich besonders interessirt hatte, um dann mit wehmüthigen Gefühlen und mit einem langen, letzten Zurückblick Abschied von der so überaus wohlgelungenen Gewerbe-Ausstellung zu nehmen. In den Restaurationshallen und auf dem Platze vor denselben herrschte schon in den frühen Nachmittagsstunden das bunteste Leben und als das Stadt-Orchester das Concert begann, waren Stühle absolut nicht mehr zu erlangen. Am lebhaftesten ging es in der G r ü n b e r g e r  W e i n h a l l e zu, deren Wirth sich nur noch in der Lage befand, Sect verabreichen zu können, alle anderen Flaschen- und Fassweine waren bis auf den letzten Tropfen ausgezecht, gewiss eine Leistung, die uns Schlesiern nicht so bald Jemand nachmacht. Mag der Grünberger Wein aber sein wie er will, so viel ist sicher, dass er die Menschen fröhlicher macht als das Bier, denn eine solche allgemeine Lustigkeit, ja Ausgelassenheit, wie wir sie gestern in der genannten Halle beobachten konnten, kann durch das Bier niemals erzeugt werden. Die Leute, welche durch den Wein in fröhliche Stimmung gerathen waren, tobten sich gründlich aus, denn sie wussten, dass ein ähnliches Leben und Treiben wie während der Niederschlesischen Gewerbeausstellung hier in Liegnitz in absehbarer Zeit kaum noch einmal herrschen wird."


Jetzt in Zielona Góra entdeckt: Aus dem französischen Konsularbulletin von 1884

Diplomaten-Lob für den Grünberger Wein

Von Szymon Plóciennik, Gazeta Wyborcza
"Der Wein aus Grünberg kann dank der in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Verbesserung des Herstellungsverfahrens mit den besten Sorten aus Süddeutschland verglichen werden", schrieben französische Diplomaten bereits im Jahr 1884. Die Informationen wurden in das konsularische Bulletin aufgenommen. Das vom Pariser Handelsministerium herausgegebene französische Konsularbulletin aus dem Jahr 1884 befindet sich in der Sammlung der Bibliothèque Nationale de France und ist auch in der digitalen Bibliothek Gallica verfügbar. Er umfasst 1448 Seiten.

"Auf dem Titelblatt steht, dass es sich um eine Sammlung von Handelsberichten handelt, die von französischen diplomatischen und konsularischen Vertretern im Ausland an das Außenministerium geschickt wurden", sagt Katarzyna Fligier, eine vereidigte Übersetzerin des Französischen, die für Wyborcza Fragmente des Dokuments übersetzt hat. Das Bulletin war in Zielona Góra unbekannt. So kann man sehen, wie der Wein aus Zielona Góra von Außenstehenden bewertet wurde. In diesem Fall von französischen Diplomaten.

Das Buch beschreibt die verschiedenen Länder, mit denen Frankreich diplomatische Beziehungen unterhielt. Das Deutsche Reich, auf Französisch Empire d'Allemagne, ist dort an erster Stelle aufgeführt. Jede Provinz wurde von den Diplomaten detailliert beschrieben. Das Bulletin war eine umfassende Information für französische Händler. So konnten sie die wichtigsten Informationen über das Land finden, mit dem sie Geschäfte machten.
 
Französisches Konsularbulletin von 1884. Fragment über Schlesien, einschließlich Wein aus Grünberg - Foto: Gallica Digital Library

Das Konsularische Bulletin enthält unter dem Stichwort Vigne auch Informationen über das damalige Grünberg, das in Schlesien liegt. Die Diplomaten, die diese Beschreibung veröffentlicht haben, loben den Grünberger Wein. Sie schreiben auch über die Stadt im Zusammenhang mit dem Obstbau. Diese Beschreibung entspricht dem Slogan der Vorkriegsstadt Zielona Góra, die sich rühmte, eine Stadt des Weins, der Gärten und der Früchte zu sein.

Der schlesische Wein wurde wie folgt beschrieben: "Das Klima in Schlesien ist in der Regel für den Weinbau nicht förderlich: Auch der Weinbau hat nur in bestimmten Orten mit günstiger Lage eine Bedeutung. Der wichtigste dieser Orte ist Grünberg. Es ist der nördlichste Punkt der Welt, an dem Reben angebaut werden. Es gibt auch mehrere andere, aber kleinere Orte in der Nähe von Kożuchów, Zabór, Rothenburg, Bytom Odrzański, Żagań, Lubiąż, Wierzchowice, Międzybórz und Olszowa bei Strzelce Opolskie in Oberschlesien. In der Gegend um Grünberg gibt es etwa 4600 Weingärten, die sich über eine Gesamtfläche von 6000 Morgas (1500 Hektar) erstrecken und aus denen in guten Jahren etwa 40000 Hektoliter Wein erzeugt werden. Dank der in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Verbesserung des Herstellungsverfahrens kann dieser Wein mit den besten Sorten aus Süddeutschland verglichen werden. Es wird sogar in weit entfernte Länder verschickt. Außerdem werden jedes Jahr etwa 3600 Cetnar (50 Kilo) Trauben verschifft.

"Was die zum Verkauf angebotenen Weintrauben betrifft, so muss es sich um einen Fehler im Bulletin handeln. Natürlich wurden viel mehr als 50 Kilogramm verschickt", sagt Tomasz Kowalski, Mitarbeiter des Museums vom Lebuser Land. "Einer der wichtigsten Verkäufer war damals Eduard Seidel, der dank der Einnahmen aus dem Versandhandel mit Weintrauben eine Wein- und Obstverarbeitungsfabrik an der Kreuzung der heutigen Drzewna- und Sowińskiego-Straße bauen konnte. Heute beherbergt sein Wohnhaus ein psychologisch-pädagogisches Beratungszentrum, das früher ein Internat war. Frische Weintrauben wurden in Holzkisten verpackt und mit Pferdefuhrwerken sogar bis nach Berlin transportiert. Sie waren sehr beliebt. Damals war die Traubendiät in Mode", ergänzt Kowalski.

In einem anderen Zusammenhang wird Grünberg, das heutige Zielona Góra, im Bulletin wird auch als eine der wichtigsten Städte Schlesiens genannt, die reich an Obst ist.

Interesse beim französischen Botschafter
Der französische Botschafter in Polen (erster von rechts) beim Besuch des Museums des Lebuser Landes in Zielona Góra - Foto: Muzeum Ziemi Lubuskiej

Eine der ersten Personen, die das Bulletin im Museum des Lebuser Landes bewunderten, war Frédéric Billet, der französische Botschafter in Polen, der vor einem Monat auf Einladung des Marschallamtes Zielona Góra besuchte und sich im Lebuser Museum Über die Geschichte des Weinanbaus in Zielona Góra informierte. "Er wurde sehr lebhaft, als wir ihm Bilder dieses konsularischen Bulletins zeigten. Man konnte sehen, dass es ihn interessierte und faszinierte", berichtet Tomasz Kowalski. Und Kowalski betont, dass die Franzosen schon damals zu den absoluten Weltmarktführern in der Weinproduktion gehörten und wenn die französische Diplomatie im 19. Jahrundert der Meinung gewesen wäre, dass der Wein aus Zielona Góra nicht besonders tauge, hätten sie entsprechend darüber geschrieben. Dieses Bulletin war indes nicht für jedermann zugänglich, sondern nur für Händler aus Frankreich. Somit bestand also keine Notwendigkeit, ein Land oder eine Stadt über alle Maßen zu loben."

Gremplers hervorragende Weine
In der Sammlung der digitalen Bibliothek Gallica befindet sich auch ein Reiseführer der Weltausstellung (Vorgängerin der EXPO) von 1855 in Paris. Einer der von Preußen angemeldeten Weine war ein Schaumwein aus der alten Grempler-Kellerei. Der drei Jahre alte Wein wurde mit einer Medaille ausgezeichnet, was als einer der wichtigsten internationalen Erfolge der Grünberger Winzer gilt. Gremplers Schaumweine gewannen auch Medaillen bei den Weltausstellungen in London und Wien.
 
Im Reiseführer steht: "Nicht nur die Gebiete am Rhein versorgen das Königreich Preußen mit Wein, sondern auch die Provinz Schlesien mit ihren edlen Weinen, deren Kollektion die Herren Förster und Grempler geschickt haben." (Förster war zusammen mit Häusler ein Partner von Grempler  - s.a. Grempler Sekt - die Historie - Anm. der Red.). In der Sammlung der digitalen Bibliothek Gallica befindet sich auch ein Reiseführer der Weltausstellung (Vorgängerin der EXPO) von 1855 in Paris. Einer der von Preußen angemeldeten Weine war ein Schaumwein aus der Grempler-Kellerei in Grünberg. Der drei Jahre alte Schaumwein mit Champagner-Charakter wurde mit einer Medaille ausgezeichnet, was als einer der wichtigsten internationalen Erfolge der ehemaligen Grünberger Winzer gilt. Gremplers Schaumweine gewannen auch Medaillen bei den Weltausstellungen in London und Wien.

Historische Weinkarte im Internet

In jüngster Zeit sind dank der Digitalisierung von Sammlungen immer mehr Dokumente mit Bezug zu Zielona Góra und der Region "herausgekommen". Vor einigen Tagen veröffentlichte Polona.pl, eine polnische digitale Bibliothek (die zur Nationalbibliothek gehört), auf Facebook eine Weinkarte von Europa von Wilhelm Hamm aus dem Jahr 1869. Es muss sich schon seit Jahren in der Sammlung der Nationalbibliothek befinden, war aber in Zielona Góra unbekannt.
 
Zu den gekennzeichneten Weinregionen gehören Grünberg / Zielona Góra, Züllichau / Sulechów, Kressen bzw. Crossen / Krosno Odrzańskie, Beuthen / Bytom Odrzański, Guben / Gubin, Bomst / Babimost und Carolath / Siedlisko.
 
"Was die Karte zeigt, ist nicht überraschend, aber ich habe es nicht gewusst", sagt Przemysław Karwowski, ein Experte für den Weinbau in Zielona Góra.
 
"Das ist eine sehr interessante Entdeckung. Sie zeigt unsere Region im Kontext des europäischen Weinbaus. Wenn es uns gelänge, einen Nachdruck zu bekommen, könnten wir ihn zum Beispiel im Schlosskeller an die Wand hängen. Kürzlich haben wir es den Winzern zur Verfügung gestellt, und es fand dort ein Jungweinfestival statt", sagt Marzena Arendt-Wilczyńska, Leiterin der Abteilung für Zusammenarbeit und Werbung in Sulechów (Züllichau).
 
 
Quelle: Wyborcza.pl
 


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