Lieder und Gedichte zu Grünberg - Der schlesische Schriftsteller und Heimatdichter Paul Petras

Die Oder bei Grünberg / Schlesien
Dr. Paul Petras
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Lieder und Gedichte zu Grünberg

Dichtung
Diese Sammlung Grünberger Weinlieder sowie schlesischer und hochdeutscher Gedichte von Paul Petras erschien 1926 im Verlag von W. Levysohn, Gründberg in Schlesien. Sie liefert einen liebenswerten Querschnitt durch die Dichtung des Schlesiers.

Lesetipp: Klicken Sie auf das Cover "Auf Grünbergs Rebenhügeln" - und Sie können diese Sammlung digital als E-Book lesen.
Zum Geleit.
So zieht den hin, ihr meine Lieder,
Die ich in stillen Stunden sang,
Und weckt in andern Herzen wieder,
Was tief mein eignes Herz durchdrang!

Der Heimat galt mein erstes Singen -
Mein Grünberg, dir und deinem Wein!
Dich sucht mein Geist auf Adler-Schwingen,
Wenn ich muss ferne von dir sein.

Der Lieb und Treu, dem Vaterlande
Hab ich so manches Lied geweiht,
Ich pflegte enge Freundschaftsbande
Durch Lieder in der Jugendzeit.

So ziehet hin - und wenn von allen
Nur eins mich überlebt - nur eins -,
Dann schau ich noch mit Wohlgefallen
Hernieder aus des Himmels Hallen
Aufs Wunderland des Schlesierweins!

Wandsbek, im Januar 1926.
                          Paul Petras

Foto: E. Hase-Grünberg 1923
Wo des Oderstromes Welle.


Wo des Oderstromes Welle
Schlesien grüßt zum letztenmal,
Stand ich oft an trauter Stelle,
Sah vom grünen Berg ins Tal,
Auf die Stadt, die mir gegeben
Vom Geschick, mein Heim zu sein,
"Wo die Berge tragen Reben
und die Reben goldnen Wein."*

Manchen Spott hast du ertragen,
Doch du kehrtest dich nicht dran,
Tat man auch in frühern Tagen
Deinen Wein in Acht und Bann.
Wack're Winzer schafften weiter
Für die Rebe gut Gedeih'n
Und so trinkt man froh und heiter
Heut noch deinen "Höhenwein".

Grünbergs alte Mauern spiegeln
Freilich sich in keinem Strom,
Burgen ragen von den Hügeln
Nicht hinauf zum Himmelsdom;
Doch es rauschen Bächlein nieder
Von den weinumkränzten Höhn'
Und beim Wein erschallen Lieder;
Rebenstadt, auch du bist schön.

Blumenreich sind deine Auen,
Reich an schönen Mägdelein,
Und zum Preis der edlen Frauen
Trinken wir Champagnerwein;
Den die Heimat uns gegeben,
Holdes Mädchen, schenk mir ein,
"Wo die Berge tragen Reben
Und die Reben goldnen Wein."
____
* Schlussverse des Rheinlieds "Strömt herbei..."
P.P.


Grünberg

Deine Rebenhügel grünen in der Sommerzeit,
Und im Herbst schmückt sie zuletzt ein rosig Feierkleid.
Deine fleißigen Winzer mühen sich mit kundiger Hand,
Bis die goldnen Trauben leuchten vor dem dürren Sand!

Grünberg!
Deiner Dampf- und Räderwerke hohe Zinnen sehn
Auf ein täglich kämpfend Heer: da gibt's kein Stillestehn! -
Immer rastlos vorwärts! Tausende von Händen sind
Dienstbar deinem Wettstreit, der dir Ruhm und Ehr gewinnt.

Grünberg!
Schwarze Glutenspender schürft man aus dem tiefen Schacht, -
Eisengüter - Stoffgewebe werden hier hervorgebracht -
Riesenbrücken, Wagen für den Land- und Seeverkehr -
Aus den fernsten Fernen strömt dir Anerkennung her!

Grünberg!
In den kühlen Kellern reift dein Wein zum Labetrunk!
Deutscher Wein und Sekt und Weinbrand preisen Alt und Jung!
Läuten dann die Glocken friedlich die Lese ein,
Wirst du, Vaterstadt, die schönste Stadt des Ostens sein!

Grünberg!
Deine grünbedeckten Türme schaun ins Rebenland,
Schienenweg und Oderstrom tragen hin zum fernsten Strand,
Was die edle Frucht vielfleißger Hände war.
Spende solche Edelfrachten noch viel tausend Jahr!

Grünberg

P.P.
Alter Turm

Künder längst vergangner Tage,
Trotzend manchem Zeitensturm,
Schon umspinnt dich leis die Sage,
Altersgrauer Rathausturm!

Sänger, Fürsten, Kriegerscharen
Sahst du ziehn an dir vorbei -
Liebende, die glücklich waren,
Schauten auf zu dir im Mai!

Grünbehelmt blickst du hernieder
Auf das Städtleins Marktgewühl,
Hörst der Jugend neue Lieder -
Wunderst dich - doch bleibst du kühl.

Deine alten Glocken klingen
Noch wie einst von Stund zu Stund,
Dass die Zeit mit Windesschwingen
Schwindet, tun sie treulich kund.

Und mit halberfrornen Nasen
Wie's die alte Zeit gebracht:
Musikanten friedsam blasen
Droben in der Neujahrsnacht.

"Schirm, o Herr, die Stadt in Frieden!
"Lass' ihr fleißig Volk gedeihn!
"Neues Blühn sei ihr beschieden -
"Gold erwacht aus neuem Wein!"

Aller Augen werden heller -
Laut erschallt manch frommer Wunsch,
Und die Bläser ziehn zum Keller -
Hei, dort dampft Sylvesterpunsch!

P.P.
Traute Heimat.
Der - ehm. - Vereinigung "Heimatliebe" gewidmet


Traute Heimat! Stadt der Reben
In der "Goldnen Lunze" Tal!
Fromme Wünsche dich umschweben,
Sei gegrüßt viel tausendmal!

Stolz und schön sehn deine Türme
Auf die Dächer lieb und traut,
Wieviel Wetter, wieviel Stürme
Haben trutzig sie geschaut!

Hör' ich deine Glocken klingen,
Die die Väter Gott geweiht,
Mein ich, dass sie Kunde bringen
Mir aus schöner Jugendzeit!

Ach, sie klangen manchen Morgen
Mir in süßem Feierklang,
Wenn ich frei und ohne Sorgen
Schritt den Rebenberg entlang!

Heimatglocken, euer Klingen
Weckt mir die Erinnerung,
Wenn zur Traubenlese gingen
Nach den Hügeln alt und jung!

Zauberhaft drang's in die Lauben
Bei so manchem Liebesmahl -
Wenn beim Saft der Heimattrauben
Lieder klangen in das Tal!

Und bei manchem letzten Gange
War's ein Läuten "heimat"wärts -
Wundersam bei eurem Klange
Senkte Trost sich in das Herz!

Wenn doch aus der Heimat schwände,
Was sich quält tagein - tagaus!
Wenn doch glücklich auferstände
Was versank in Heim und Haus! -

Klinget hell, ihr Heimatglocken,
Wenn der Berg in Blüten prangt!
Hell, wie ihr mit Lenz-Frohlocken
einst in aller Herzen klangt!

Traute Heimat, Stadt der Reben!
Hoffnungsgruß im Lenzgewand!
Fromme Wünsche dich umschweben,
Liebes schönes Heimatland!

P.P.

Grünberg - 1222 - 1922


Wie prangst du herrlich heut im Festgewande,
Mein altes Grünberg, Stadt im Rebengrün!
Von deutschen Bürgern im Piastenlande
Gegründet einst mit redlichem Bemühn!
Erst kleines Siedlerheim am Hügelrande
Ein kräftig Wachsen dann, ein fröhlich Blühn -
Nun kann die arbeitsfrohe Stadt begehen
Ihr siebenhunderjähriges Bestehen! -

In alter Zeit, als friedliche Piasten,
Dem deutschen Wesen ehrlich zugetan,
Als noch des Ostens Völker sich nicht fassten,
Und neidschen Blicks nicht aufeinander sahn,
Als noch nicht schwerbeladner Schiffe Masten
den Strom hinunter zogen ihre Bahn -
Da wurdest du mit Mauern, Türmen, Toren
Als Wein- und Weberstadt zur Welt geboren!

Zwar eng umfriedet war dein Stadtgebilde,
Nicht warst du stark wie manche Schwesterstadt,
die tausendjährig einst im Burggefilde
Des deutshen Kaisers Tross bewirtet hat -
Doch schirmte stolz und kühn dich darum Gilde
Verewigt steht's auf manchem Ruhmesblatt:
Trotz Sturm und Not in wechselvollen Jahren
Stets treu und deutsch Alt-Grünbergs Bürger waren.

Nicht suchten sie den eitlen Ruhm der Waffen,
Am Webstuhl rührten emsig sie die Hand,
Und war im stillen Heim sie recht geschaffen
Trug Grünbergs Namen bis ins fernste Land -
Nicht große Schätze galt es zu erraffen -
Doch es gedieh im Frieden jeder Stand
Und tausend Feierabend-Freuden harrten
Der fleißgen Bürger noch im Rebengarten.

Die Jahre kamen und die Jahre gingen
Mit Glück im Unglück - Fehden, Brand und Pest!
Vergeblich schien dein übermenschlich Ringen -
Ein kleines Häuflein klammert' noch sich fest,
Bis endlich Rettung kam auf Adlers Schwingen
Wie Frühlingswind vom Süden und vom West -
Dann dehntest du dich über deine Mauern,
Entschlossen jeden Sturm zu überdauern!

Und weiter blühtest du im Schmuck der Reben -
Im neuen Reich stiegst glücklich du empor -
Auf jedem Arbeitsfeld ein reges Leben
Im Reich der Technik wagtes du hervor -
Nicht mehr wie einst ein eng umgrenztes Weben -
Der neuen Zeit stand offen Tür und Tor -
Und wenn auch Krieg und Umsturz dich betroffen
Du darfst auf neuen schönen Frühling hoffen!

So halte Rast nach mühevollem Gange!
Nach sauren Wochen winkt ein Jubeltag!
Die Fahnen wehn von Turm und Bergeshange
Und Blumen blühn in Stadt und Flur und Hag -
Es preisen deine Kinder dich im Sange
Die Not der Zeit heut keinen stören mag -
Und Wünsche steigen auf beim Heimat-Wein:
Stets möge Grünberg blühen und gedeih'n!

P.P.
Wie schön wär's doch!
(An einen alten Grünberger)

Wie schön wär's doch,
Wenn wir noch einmal beide
Durchwandern könnten unsrer Heimat Heide!
Wo wir so oft
In stiller Kiefern Schatten
Mit muntern Frühlingssängern Zwiesprach hatten.

Wie schön wär's doch,
Wenn wir zusammen wieder
Belauschten Sängerinnen muntrer Lieder!
Am Fliederbusch
Die lieben Nachtigallen -
Und schöne Mädchen in den Waldeshallen.

War's denn nicht schön,
Als wir auf blumigen Fluren Im Frühling folgten holder Mädchen Spuren?
Wo fleißige Bienen
Um die Blüten summten -
Und froher Sänger Lieder nie verstummten?
Wo tief im Tal
Des Mühlbachs Wasser rauschten,
Und wir mit Geistern oft Gedanken tauschten.

Wär's denn nicht schön,
Wenn von den Höhen nieder
Wir schauten könnten auf die Stadt hernieder? -
Zum Grünen Kreuz,
Wo - ach! - die Lieben nun
Nach Freud und Leid im letzten Schlummer ruh'n -
Komm, alter Freund!
Komm auf die Rebenhöh'n!
Im Lenz ist ja die Heimat doppelt schön!

Aus der Heimat, 18.4.1925
P.P.

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